Forstpraxis und Forstwissenschaft legen Waldentwicklungsziele bis 2100 vor
Burgwald. Im nordhessischen Forstamt Burgwald des Landesbetriebs Hessen-Forst ist das erste Teilprojekt im forstlichen Modellbetrieb „Klimaschutz PLUS“ abgeschlossen worden. Rund 50 Teilnehmer aus Wissenschaft, Forstbetrieben, Verwaltung und Verbänden diskutierten die Ergebnisse einer neu entwickelten, modellgestützten Waldentwicklungsplanung, die den Staatswald des Burgwalds bis zum Jahr 2100 fit für den Klimawandel machen soll. Forststaatssekretär Michael Ruhl würdigte das Projekt als wegweisend für den klimaangepassten Waldumbau in Hessen und darüber hinaus: „Der Modellbetrieb Klimaschutz PLUS zeigt: Wenn Forstpraxis und Wissenschaft zusammenarbeiten, können wir Wälder so bewirtschaften, dass sie Kohlenstoff speichern, Lebensräume bieten und die Menschen weiterhin mit regionalem Holz versorgen. Das ist gelebte multifunktionale Forstwirtschaft.“
Modellbetrieb „Klimaschutz PLUS“ im Burgwald
Seit mehr als fünf Jahren ist der Staatswald des Forstamts Burgwald als forstlicher Modellbetrieb „Klimaschutz Plus“ ausgewiesen. Aufbauend auf der Richtlinie zur Bewirtschaftung des Hessischen Staatswaldes (RiBeS 2018), in der Klimaschutz eines von sechs Hauptzielen ist, wird hier unter wissenschaftlicher Begleitung erprobt, wie eine stärkere Ausrichtung der Waldbewirtschaftung auf Klimaschutz die anderen Ziele – insbesondere die Biodiversität – beeinflusst. Finanziert wird der Modellbetrieb überwiegend aus dem Integrierten Klimaschutzplan Hessen 2025. Gegenstand des 2021 gestarteten Teilprojekts I ist eine modellgestützte, strategische Waldentwicklungsplanung „Klimaschutz PLUS“ auf Ebene der einzelnen Waldbestände im Staatswald des Forstamtes Burgwald mit einem Planungshorizont bis zum Jahr 2100. Bearbeitet wurde das Projekt von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) in Zusammenarbeit mit Hessen-Forst und dem Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum.
Zentrale Ergebnisse: Resiliente Mischwälder als Schlüssel
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entwickelten zukunftsfähige, standortgerechte Mischwaldtypen, die ausdrücklich an die Risiken des Klimawandels angepasst sind. In die multikriterielle Planung flossen unter anderem ein: Trockenheitstoleranz, Sturmrisiko, Borkenkäfergefährdung der Fichte, Wuchsleistung, Kohlenstoffspeicherung, Naturnähe mit einer Präferenz für Baumarten der natürlichen Waldgesellschaft sowie die Realisierbarkeit der Waldentwicklungsziele aus der jeweiligen Ausgangssituation.
Die Ergebnisse sind eindeutig: Klimaschutz im Wald gelingt nur durch aktive Klimaanpassung und stabile, resiliente Mischwälder. Standortgerechte Nadelholzanteile bleiben unerlässlich, um über Holzprodukte und Substitutionseffekte wirksamen Klimaschutz über das Waldökosystem hinaus zu leisten. Dies ist möglich, ohne naturschutzfachliche Ziele zu vernachlässigen, da die Waldentwicklungsplanung „Klimaschutz PLUS“ die Schutzgebietskulisse, Zertifizierungsvorgaben und naturschutzfachliche Leitlinien integriert. Kurz gesagt: Die neuen Waldentwicklungsziele setzen die Baumarten dorthin, wo sie unter Risiko- und Standortgesichtspunkten objektiv am besten geeignet sind. So lässt sich langfristig eine verlässliche Kohlenstoffspeicherung mit hohen Anforderungen an Naturschutz und Biodiversität verbinden.
Praktischer Nutzen für Waldbesitzer
Die im Teilprojekt entwickelten Entscheidungs- und Planungsinstrumente fließen künftig in das Verfahren zur klimaangepassten Baumartenwahl der NW‑FVA (BaEm) ein. Damit stehen die Erkenntnisse aus dem Forstamt Burgwald allen Waldbesitzern in Hessen zur Verfügung und können auch bundesweit als Referenz für eine klimaoptimierte Waldbewirtschaftung dienen. Für die Forstpraxis bedeutet das: eine systematische, wissenschaftlich untermauerte Unterstützung beim Aufbau klimaresilienter und multifunktionaler Mischwälder.










